Wie Linke lernen, die Bomben zu lieben
Linksextremismus: Im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen in Dresden verbreiten politische Eiferer absurde Parolen
Peter Freitag

Während die  zu erwartenden Kundgebungen rechter Gruppierungen zum 60. Jahrestag der Vernichtung Dresdens für Aufregung sorgen, mobilisieren ohne großes mediales Echo Linksextreme bundesweit zu einer Gegendemonstration in der Elbmetropole. Neben einer Demonstration am Samstag unter dem Motto „No tears for Krauts – Frauenkirche abreißen!“ stehen am Sonntag „dezentrale Aktionen“ auf dem Programm, für das verschiedene „antifaschistische“ Gruppen verantwortlich zeichnen: „Ziel ist es am 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten, das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu bewahren. Außerdem steht die aktuelle Erinnerungspolitik, die deutsche Täter und Täterinnen zu Opfern macht, im Zentrum der Kritik“, heißt es in einer Erklärung der „AG 13. Februar“. In mehreren anderen Städten, darunter Berlin, Hamburg, Leipzig und Rostock, fanden in den letzten Wochen bereits Informations- und Mobilisierungstreffen des „antifaschistischen Bündnisses“ statt.

Doch nicht nur gegen die Aufzüge der „Neonazis“, sondern auch gegen das Gedenken der Dresdner Bürger richtet sich der Zorn der Antifas. Sie wittern hinter der Trauer um die zerstörte Stadt und ihre getöteten Bewohner unlautere Motive: „Anstatt endlich die eigenen Verbrechen aufzuarbeiten, treibt im Vorlauf der sechzigsten Jahrestage der Befreiung Auschwitz und der Kapitulation Nazideutschlands auch der geschichtsrevisionistische Diskurs in der deutschen Gesellschaft neuen Höhen entgegen“, heißt es in einem Aufruf.

Die Empörung über die von NPD-Landtagsabgeordneten verwendete Formulierung „Bombenholocaust“ ist in den Augen der Antifa scheinheilig, da sich ihrer Meinung nach das offizielle Gedenken an den Bombenkrieg nur graduell von der Wortwahl der Rechtsradikalen unterscheidet. Die jüngsten Debatten – etwa um Jörg Friedrichs Buch „Der Brand“ oder über die Vertreibung der Deutschen nach 1945 – hätten dies eindrucksvoll gezeigt, beklagen die Initiatoren. „Deutsche, also die tatsächlichen TäterInnen des Zweiten Weltkriegs und der Shoa, werden in der öffentlichen Debatte um ‘Vertreibung’, Krieg und Nationalsozialismus mit den wirklichen Opfern, also JüdInnen, Sinti und Roma, körperlich und geistig Eingeschränkten und Soldaten anderer Nationen, auf eine Stufe gestellt.“ Weiter heißt es: „Wir werden niemals müde, den Deutschen, die sich zu gerne lieber als Opfer fühlen würden, zu sagen, warum Bomben auf Dresden und andere deutsche Großstädte fallen mußten und warum Zehntausende Deutsche sterben mußten.“

Weil für die linksextreme Antifa Täter oder Opfer nicht nach dem jeweils erlittenen Schicksal, sondern nach der Nationalität der Betroffenen klassifiziert werden, kennen die Organisatoren der Dresdner Gegenkundgebung kein Pardon in punkto Schamverletzung oder Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener: Da darf fröhlich „Bomber Harris – Do it again!“ skandiert oder den um Angehörige Trauernden „Heult doch!“ entgegengeschleudert werden; für den „geplanten Abriß der Frauenkirche“ sammelt man bereits Spenden auf einem Konto der „Vereinigten Linken“.

Bereits am 30. Januar demonstrierten in Berlin einige hundert Linksextreme unter dem Motto „Heult doch! – Deutsche Opfermythen angreifen“. Sie zogen hinter einem Transparent her, auf dem neben dem Motto der Demonstration alliierte Flugzeuge samt ihrer Bomben dargestellt waren.

Amerikanische, britische und israelische Fahnen

Außerdem bestimmten amerikanische, britische und israelische Nationalflaggen das Bild; ein Transparent von Mitgliedern der ehemaligen DDR-Staatsjugend FDJ zierte ein „Dank euch, ihr Soldaten der Antihitlerkoalition“, während die „KP Berlin“ schlicht „Opa war ein Nazi“ formulierte.

Mit der Parole „No discussion: Deutsche Täter sind keine Opfer!“ konnten sich offensichtlich noch alle Teilnehmer anfreunden, die Lobeshymnen auf die Alliierten und die „Solidarität mit Israel“ erfuhren jedoch Widerspruch. Im linksradikalen Internet-Forum indymedia tobte in den folgenden Tagen ein heftiger Streit um Beteiligung und Bekundungen der sogenannten „Antideutschen“ auf der Demonstration. So sollen „Antideutsche“ von anderen Teilnehmern mit Schneebällen beworfen worden sein, denen die mitgeführten US-Flaggen nicht paßten. Die so geschmähten „Fahnenheinis“ wiederum unterstellten ihren Gegnern, sie seien „antisemitisch, antiamerikanisch und ganz und gar nicht antifaschistisch“. Umgekehrt verwunderten sich die Anti-Antideutschen über die glorifizierende Darstellung militärischer Flugzeuge und Bomben. Andere schienen gleich an der ganzen Demonstration zu verzweifeln: „Was für ein perverser Kindergarten! Antis jeder Couleur mit Flaggen freudiger Kriegsnationen und Kolonialmächte! Abartig – geschichtslos – bescheuert!“

Die Organisatoren der Antifa-Demonstration in Dresden haben andere Probleme: Sie befürchten, „Nazis“ könnten in ihre Veranstaltungen eindringen, weil das Ordnungsamt die Auflage durchsetzen wolle, wonach auch „kritische Teilnehmer“ ein Recht auf Beteiligung hätten. „Antifaschismus läßt sich nicht lächerlich machen. Es ist eine Unverschämtheit, antifaschistischen Menschen, die in Dresden gegen Nazis und die Gleichsetzung von deutschen Täterinnen und Tätern mit ihren Opfern protestieren, nahezulegen, Nazis bei ihren Aktivitäten zu erlauben“, empörte sich eine Sprecherin der „AG 13. Februar“.